Das neue Half Life?

Die Videospielserie „Prey“ hat eine spannende Geschichte hinter sich. Das „Ur-Prey“ erschien, neun Jahre nach der Ankündigung, 2006 unter der Flagge des Publishers 2K Games und bekam durch die Bank positive Testberichte. Danach wanderte die Marke zu Bethesda, die jedoch viele Jahre in einen „Prototypen“ verschwendeten. Erst vor zwei Jahren tauchten konkrete Details (und Bilder) zum neuen Prey (2017) auf, das mit dem Prey aus dem Jahr 2006 nichts mehr zu tun hat. Stellt sich bloß die Frage: kann das neue Konzept überzeugen?
Schattenmonster
Das Spiel startet mit der Wahl zwischen einem männlichen und einer weiblichen Hauptfigur mit dem Namen Morgan Yu; auf das Spiel hat diese Entscheidung, abgesehen von einigen Grafiken, keinerlei Auswirkungen. Danach erwachen wir im Jahr 2032 in unserem Apartment in San Francisco. Prey spielt in einer alternativen Zeitlinie. Darin wurde John F. Kennedy nicht ermordet, Amerikaner und Russen arbeiten friedlich zusammen - unter anderem an der Erforschung außerirdischer Rassen. Unser Tag startet mit einem Anruf von unserem Bruder/unserer Schwester - wir sollen ins Forschungslabor kommen. Dort angekommen müssen wir an seltsamen Tests teilnehmen. Beim letzten Experiment passiert es aber: einer der Wissenschaftler wird von einem Alien getötet, das aus seiner Kaffeetasse springt. Mehr von der Story wollen wir an dieser Stelle nicht verraten. Freies Erkunden
Prey spielt auf der Weltraumstation Talos I, die stellenweise stark an die Unterwasserstadt Rapture aus BioShock erinnert. Es gibt aber einen großen Unterschied zwischen den beiden Locations: Talos I ist frei begehbar. Lediglich ein geheimnisvoller Anrufer sorgt für einen roten Faden im Spiel. Wie man gewisse Situationen oder Rätsel löst, überlässt einem das Spiel komplett selbst. Das Erkunden ist ein wichtiger Gameplay-Aspekt in Prey. Zum Beispiel beinhalten Computerterminals wichtige Infos in E-Mails oder Video-Files. Da aber die meisten der PCs mittels Password gesperrt sind, muss man dieses erst finden oder man verbessert seine Hacker-Skills. Neben den „Hauptmissionen“ gibt es auch immer wieder kleine Nebenaufträge, die, sofern man sie nicht verpasst oder ignoriert, einen mit neuen Gadgets, Waffen oder Munition belohnen. Recyceln und lernen
Im Inventar sammeln sich im Spielverlauf viele Dinge an, denn in nahezu jedem Schrank, in jedem Mülleimer und selbst in den Überresten der Aliens, die man beseitigt, warten Gegenstände auf einen. Viele dieser Gegenstände sind Schrott und können in einem Recycler in wertvolle Ressourcen umgewandelt werden. Hat man auf den Streifzügen durch die Raumstation Baupläne gefunden, kann man die gesammelten Ressourcen zur Herstellung von Gegenständen nutzen. Nicht nur Medipacks und Munition können so gefertigt werden, sondern gleich ganze Waffen und sogar Neuromods. Neuromods sind heiß begehrt, denn durch sie erhält (oder verbessert) man neue Fertigkeiten. Diese sind in unterschiedliche Skillbäume unterteilt und während man zu Beginn zum Beispiel Fähigkeiten aus dem Bereich Medizin und Technik erlernt, darf man im späteren Spielverlauf sogar Alientechniken aneignen. Zu Beginn des Spiels lernt man eher Dinge, die einem das Überleben und Erkunden auf Talos I erleichtern. Zum Beispiel kann man schwere Kisten anheben oder man bekommt mehr Lebenspunkte durch ein Medikit.
Alleine unter Aliens
Eine permanente Gefahr geht von der geheimnisvollen Alienrasse aus, welche die gesamte Raumstation übernommen hat. Fast permanent trifft man auf die flinken Mimics. Diese kleinen Außerirdischen können sich in Gegenstände verwandeln, die zur Umgebung passen. So kann es immer mal passieren, dass das Handtuch, das im Waschraum liegt, in Wirklichkeit eine Mimic war und einen wie aus dem Nichts attackiert. Im späteren Verlauf der knapp 22 Stunden langen Kampagne muss man gegen Roboter, Phantome oder sogar Menschen kämpfen, die von den Aliens übernommen wurden. Damit man sich zur Wehr setzen kann, findet (oder baut) man verschiedene Waffen. Am Anfang muss noch eine Rohrzange reichen, später gibt es eine Pistole und Schrotflinte. Die wohl wichtigste Waffe findet man aber schon sehr früh in Prey: die Gloo Gun, welche eine Art sich sofort verfestigenden Schaum verschießt. Damit können Gegner vorübergehend festfrieren und so ohne Gefahr ausgeschaltet werden. Außerdem können mit den Geschossen Brücken gebaut, Gaslecks versiegelt oder Feuer gelöscht werden. Alternativ kann man auch zu den verschiedenen Granatentypen greifen. Mit denen lassen sich Maschinen lahmlegen, kleine Bereiche wegsprengen oder Gegner auch einfach nur ablenken. Und wen man keinen Bock auf Gewalt hat, kann man um viele Gegner auch herumschleichen.
Viele Wege führen zum Ziel
Eine der wohl größten Stärken von Prey ist, dass verschiedene Lösungswege zum Ziel finden. Man findet immer wieder andere Ansätze ein Problem oder einen Konflikt zu lösen. Darüber hinaus bietet der SiFi-Shooter unterschiedliche Enden (je nach Entscheidungen/Spielweise) und die große Raumstation wird man garantiert nicht beim ersten Durchlauf komplett erkunden können. Horror-Fans bekommen ebenfalls was für ihr Geld geboten: plötzliche Explosionen oder auftauchende Mimics sorgen für ordentliche Schockmomente. Technik
Publisher Bethesda hat aus den nicht gerade optimalen Launch der Dishonored 2 PC-Version gelernt. In Prey setzt man daher auf die CryEngine als Grafikgerüst. Das Resultat: selbst auf einem Mittelklasse-PC (Intel Core i7-4770K, GeForce GTX 1060 und 16 GB Arbeitsspeicher) läuft das Spiel bei hohen Details butterweich. Im technischen Bereich begeistert der Titel durch eine detailreiche Umgebung, schicke Licht- und Explosions-Effekte. Weniger gut: die Qualität der Texturen ist nur mittelmäßig und auch die Animationen wirken etwas altbacken. Kurz gesagt: Prey ist schick aber keine „Grafikperle“. Die Akustik punktet mit einem guten Soundtrack und einer soliden Vertonung. Die Steuerung funktioniert sowohl mit Maus und Tastatur als auch mit dem Controller einfach.
Unser Testvideo zu Prey

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