Suchtspirale

Ein volles Arsenal
Monster Hunter World-Spieler haben die Qual der Wahl. 14 Waffen stehen uns zur freien Verfügung, wie der langsame Hammer, der aber enormen Schaden macht, der Bogen, der uns Angriffe über Distanz erlaubt oder die Lanze, die mit einem Schild zum Blocken daherkommt. Neu ist die Insektenglefe, die es uns erlaubt, große Sprungangriffe über den Köpfen von Monstern durchzuführen und so vielleicht auch auf den Ungetümen zu landen.
Zwar können wir unsere Ausrüstung in Lagern, die auf den weiten, offenen Karten verstreut sind und von uns freigeschaltet werden, wechseln, alles müssen wir aber nicht dabei haben. Schließlich können wir mit bis zu drei anderen Spielern ins Abenteuer aufbrechen! Egal ob mit Freunden oder Fremden, man macht es uns wirklich einfach, Anschluss an gemeinsame Jagden zu finden. Mit ein paar Knopfdrücken lädt man entweder Spieler aus aller Welt dazu ein, der eigenen Jagd beizutreten oder springt einem Jägerkollegen von sonst wo zur Seite. Während unseres Tests waren diese Jagden mit Fremden zwar oft unkommunikative Spektakel, bei denen jeder wusste, was er zu tun hatte. Sollte es aber trotzdem mal nötig sein, zu kommunizieren, können wir das per Gesten, kurzen Emotetexten, Voicenachrichten oder sogar einem Chat tun. Nur in unserem Jagdlager nimmt sich der Multiplayerpart etwas seltsam heraus. Obwohl wir uns das Missionshub stets mit rund 15 anderen Spielern teilen, können wir deren Spielfiguren nicht sehen, lediglich mit ihnen schreiben. Da hätte man etwas mehr tun können.
Noch nie so zugänglich
Nachdem so viel zu all den Sachen gesagt wurde, die man tun kann, sollte man noch kurz auf technische Fragen eingehen. Mit der Verbindung zu anderen Spielern hatten wir während unseres Tests auf der Playstation nie Probleme, stets konnten wir anderen Partien beitreten und Spieler einladen. Und obwohl Monster Hunter-Spiele riesige, fast schon unhandliche Klötze in Sachen Features sein können, gibt uns World dutzende verständliche Tutorialtexte und das gelegentliche Anschauungsvideo mit auf den Weg. So gelingt es auch Neulingen rasch in ein Spiel mit einer Fülle an Funktionen einzusteigen.
Grafisch macht Monster Hunter einiges her, ohne den Stil des Franchises zu entfliehen. Einer der großen Knackpunkte sind die recht ungenauen Hitboxen mancher Monster. Obwohl wir auf eines der weichen, leicht zu verletzenden Teile des Monsters zielen, müssen wir feststellen, dass der Treffer auf das gepanzerte Nachbarteil gewertet wurde. Frustrierend. Ebenfälls fällt die Vertonung etwas knapp aus. Zwar haben wir die Wahl zwischen verschiedenen Sprachausgaben (darunter auch die hauseigene „Monster-Hunter-Sprache“), aber viele Dialogteile sind nicht vertont. Dafür sind praktisch alle Szenen im Spiel durch einen angenehmen, aber nicht aufdringlichen Soundtrack unterlegt. Die Story, die sich im Gegensatz zu den Vorgängerteilen bis weit in die höhergelegenen Quests zieht, ist eher seicht und Mittel zum Zweck, schafft aber mit reichlich Gesprächen und gelungenen Cutscenes eine angenehme Atmosphäre um auf die Jagd zu gehen. Nur der ein oder andere NPC textet uns gelegentlich mit den gleichen trägen Texten zu, obwohl wir nur rasch etwas kaufen wollen. Wirft man dann schlussendlich einen Blick auf die Fülle an Hauptmissionen, optionalen Quests, Sammelaufgaben und Beutezügen, können wir leicht nachvollziehen, warum uns Capcom hunderte Stunden Spielzeit verspricht. Nur wenn ein eher naiv dreinschauendes Monster humpelnd und krächzend vor uns flieht, nagen plötzlich Gewissensbissen an uns. Sind wir hier vielleicht die Monster...?
Monster Hunter World erscheint am 26. Januar 2018 für Playstation 4 und Xbox One. Das Spiel wandert für 49,95 Euro über den Ladentisch. Eine PC-Version soll im Herbst 2018 folgen. Die Sprachausgabe ist auf Wunsch deutsch, kann aber auch in der klassischen Fantasie-Sprache, japanisch, englisch oder anderweitig eingestellt werden. Die USK gibt eine Altersfreigabe ab 12 Jahren.

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