Kämpfen macht Spaß…manchmal

Wie sehr haben wir uns auf For Honor gefreut? Seit zwei Jahren hungern wir diesem Titel nun entgegen, damals hatte Jason Vandenberghe, der Mann mit dem männlichsten Bart und der tiefsten Stimme der Welt, das Ding auf der E3 präsentiert. Erinnert ihr euch? Gut! Endlich haben wir For Honor also in den Fingern – und? Wie ist es nun? Lest den Test!
Auf, auf!
Bevor wir allerdings loslegen, suchen wir uns unsere Seite aus und erstellen unser Wappen. Das ist dann eigentlich nur relevant, weil wir nach gewonnenen Partien eben unser Fähnchen auf ein Örtchen auf der Karte stecken können, um mit unseren Fraktionsfreunden zusammen Gebiete zu erobern. Was ihr im Endeffekt allerdings spielt, ist euch überlassen, die Fraktion ist tatsächlich lediglich hierfür da und wirkt stellenweise etwas unausgegoren. Wir haben zumindest keine Funktion gesehen, die die Fraktionen im Gleichgewicht hält. Allein?
Interessanterweise hat For Honor auch einen Singleplayer. Manch einer hat sich darauf sogar gefreut, weil die Geschichte rund um Krieg, Krieg und mehr Krieg, doch eigentlich ganz lustig klang. Wenn man allerdings ehrlich ist, muss man sagen, dass die Kampagne dann doch eher wie ein erweitertes Tutorial wirkt. Ihr werdet auf eine Karte gesetzt, müsst Ziele abarbeiten und tut eigentlich, was ihr im richtigen Spiel auch tut – bloß eben mit und gegen Bots. Gelegentlich habt ihr dann kleine Fundstücke, die euch ein wenig Story erzählen oder die Charaktere unterhalten sich – mehr ist es dann aber leider auch nicht. Ein nettes Extra ist es mit Sicherheit, ein Kaufgrund für sich allerdings auf keinen Fall. Bedauerlich!
Zusammen!
Klar, dass For Honor eben im Multiplayer trumpft, immerhin ist es als PvP-Spiel konzipiert! Als Langzeitmotivation sammelt ihr nach den Spielen Items, mit denen ihr eure Charaktere optisch und statstechnisch customizen könnt. Moment. Wir haben ein PvP Spiel, in dem wir uns einen Vorteil verschaffen können? Tatsache, ja und das mögen wir auch nicht unbedingt. Gleichzeitig ist die Funktion aber auch lediglich im Herrschaftsmodus, also dem Hauptspielmodus aktiv, in sämtlichen Duell-/Deathmatchmodi ist das Ganze deaktiviert und lässt euch bloß besser aussehen. Gut so! Der Herrschaftsmodus ist dann das nächste Problem, denn so viel Spaß er uns auch macht, wenn wir heroisch gegen zwei oder drei Leute bestehen, den Punkt halten und uns so lange an unser Schwert klammern, bis unsere Freunde kommen und den Feinden in den Rücken springen, Balance sieht anders aus. Es ist tatsächlich so, dass ein großer Fokus in For Honor auf die Duellmechaniken gelegt wurde, was gut ist, denn das Spiel soll genau das tun, es soll und actionreiche, großartige Kämpfe geben – und das tut es tatsächlich auch, bloß nimmt der Spaßfaktor enorm ab, sobald mehrere Spieler auf einen losgehen. Zwar fühlt es sich herausragend an, wenn man gewinnt oder ein paar glorreiche Momente hat, aber wenn jeder weiß was er tut, dann ist das kein Kampf, den man kämpfen möchte, denn man hat entweder ein Messer im Rücken, einen Speer im Rachen oder eine Axt … nun, wir verraten euch besser nicht, wo die steckt. Wir denken allerdings, dass Herrschaft ja durchaus funktionieren kann, allerdings am Ehesten wohl im eSports, wenn zwei Teams aufeinandertreffen, die den Überblick haben, die wissen, was sie tun, die sich absprechen und die flott auf alles was passiert reagieren. Allein? Mit Randoms? In einer kleinen Gruppe? Es macht Spaß, keine Sorge, es macht sogar einen Höllenspaß, aber es fühlt sich dennoch falsch an. Oder auch nicht … zusammen.
Wir hoffen natürlich, dass es sich bei Zeiten ändert, aber mit ein Grund, weshalb die Community zu Zeiten der Beta nach einem späteren Release geschrien hatte, war die Serverstabilität. Teilweise bricht die Verbindung ab, wenn ihr mit Freunden spielt, verschwinden ein bis zwei Leute aus eurer Gruppe einfach aus der Party, wenn das Spiel endet, nicht immer kann jeder eingeladen werden und manchmal werden auch einfach die Befehle verschluckt. Das Beste ist aber das Matchmaking selbst. Denn angenommen ihr spielt ein Spiel, beendet das Spiel und wartet darauf, dass die nächste Runde beginnt, bisher ist alles gut, nun verlassen von den 4v4, also 8 Spielern, einfach mal drei die Lobby. Man könnte meinen, das Spiel wartet, bis die Gruppe wieder aufgefüllt ist. Moment, das wäre doch eine fatale Verschwendung von Lebenszeit! Besser wir füllen erstmal mit Bots auf, starten das Spiel und suchen DANN nach neuen Mitspielern! Findet ihr nicht gut? Wir auch nicht. Abgesehen davon, scheinen Leaver bisher auch nicht bestraft zu werden, weshalb eine recht gigantische Reihe an Leuten einfach das Spiel verlässt, bevor sie verlieren. Großartige Kämpfe!
Man kann über Herrschaft meckern, soviel man will. Unbalanced, unnötige Customization, schlecht durchdacht, wieso gibt es Waffen? Was man aber dennoch anmerken muss ist, dass die Kämpfe einfach passen. Sobald man eine anständige Kampfsituation hat, macht For Honor auch einfach Sinn. 1v1, 2v2, 4v4, die Spielmodi, in denen ihr eurem Gegner gegenüber steht, in denen es keine Punkte einzunehmen und zu halten gibt, die sind es, in denen das Spiel glänzen und ihr als Spieler euch hervortun könnt. Hier fühlt es sich nun an, als hätte man sich Gedanken über die Klassen und die Funktionen und Kombos gemacht. Tatsächlich haben wir in den kleineren Modi auch selten Probleme mit der Verbindung oder mit Leavern. Heute erst haben wir uns mit einem Typen über fast zehn Spiele hinweg duelliert. Man lernt die Muster mit denen der Gegner angreift, man lernt, darauf zu reagieren, man passt sich an und das macht verdammt viel Spaß. Einziger Streitpunkt innerhalb der Redaktion ist hier der Shieldbreak. Denn der ist bedeutend einfach ausführbar als der entsprechende Konter. Ein Shieldbreak ist schnell getan und ist kaum zu bestrafen, ist also durchaus spambar. Einen Shieldbreak zu kontern, wenn er mal passiert ist, das wiederum ist fast unmöglich. Klar, wenn man sämtliche Animationen auswendig gelernt hat und ein paar Tage und Wochen Übung hat, dann ist auch das problemlos machbar und ab einem bestimmten Spielniveau ist es ebenfalls kein Problem mehr – ein kleines Manko ist es aber dennoch.

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