Knallhart

Verschwitzte Leiber, spritzendes Blut und brutale Auseinandersetzungen – was im ersten Moment klingt, als würde Rammstein ein neues Musikvideo drehen, ist eher die perfekte Beschreibung für UFC 3 aus der Sportabteilung von Entwickler und Publisher EA. Wir haben uns für euch ins Octagon begeben und geschaut, ob UFC 3 der G.O.A.T. unter den Kampfspielen ist!
Auf dem Weg nach ganz oben
Eigentlich fangen unsere Tests mit einem kleinen Ausblick auf die Story des Spiels an, aber was kann man bei einem MMA-Spiel schon für eine Story erwarten, nicht? Der Karrieremodus von UFC 3 ist relativ simpel, aber zielführend gestaltet: Als zukünftiger UFC-Star bestreiten wir zunächst Lokalkämpfe mit mäßiger Zuschauerzahl, bis endlich die ganz Großen im Kampfbusiness auf uns aufmerksam werden. Fortan kämpfen wir nicht mehr in muffigen Hallen, sondern in riesigen Stadien, vor hunderten und tausenden Fans! Und obwohl wir diesen Sprung geschafft haben, dürfen wir unser Hauptziel nicht aus den Augen verlieren, der Titel des G.O.A.T., der (oder die!) Greatest of all time. Damit wir mit unserem Kämpferavatar auch ordentlich mitfiebern, gibt man uns einen nicht unbedingt unendlich großen, aber dennoch umfassenden Charaktereditor an die Hand, in dem wir von Kleidung über Körperform bis hin zu Tattoos alles selbst einstellen. Männer können dabei in acht Gewichtsklassen erstellt werden, weibliche Kämpferinnen in zwei.
Für ein Spiel, in dem der Kampf im Vordergrund steht, versucht UFC 3 sehr, uns eine gute Atmosphäre zu bieten. Zwischen Kämpfen legen wir unseren eigenen Trainingsplan fest, generieren Beliebtheit und Hype um unsere Person durch Social Media-Aktionen und sehen das ein oder andere Video, mal mit UFC-Besitzer Dana White, mal als kleine Nachrichtensendung, aber stets über unseren Charakter und seinen Weg nach ganz oben im MMA-Geschäft. Das ist nicht unglaublich ausschweifend und beschränkt sich oft auf das Einblenden kleiner Social Media-Posts, gibt aber ein stimmiges Feeling. Huh. Man kann also doch einiges über die Story sagen!
Punches, Jabs und Kicks
Wer schon einmal ein MMA-Match gesehen hat, weiß, dass es nicht mit simplen Schlägen getan ist. Wir prügeln, wir ringen, wir grapplen, wir clinchen, wir kicken, wir blocken und wer jetzt denkt, dass das nach einer Menge Tastenarbeit klingt, der liegt damit vollkommen richtig. Zwar erklärt uns UFC 3 mit einigen raschen Tutorialtexten die Basics des Kämpfens, danach sind wir allerdings recht schnell auf uns gestellt. Wer mehr Tutorials braucht sucht leider vergeblich, nur ein paar Beispielvideos helfen uns noch ein wenig weiter. Wer also frisch ins Franchise einsteigt, wird im ersten Moment etwas verloren sein. Praktisch, dass man aus zunächst drei Schwierigkkeitsgraden den leichten auswählen kann, um sich mit viel Ausprobieren an die fliegenden Fäuste zu gewöhnen. Auch später im Karrieremodus, wenn kleine Challenges auf Spieler warten, ist man das ein oder andere Mal unsicher, welche Technik das Spiel jetzt genau von einem sehen will oder wie man diese ausführt. Noch hakeliger wird es, wenn man sich mit dem Gegner im Dschungel der Nahkampfgriffe verliert. Dann müssen wir versuchen die Oberhand zu gewinnen oder zu behalten, den Gegner unter Druck setzen und können ihn durch den richtigen Griff auch direkt kampfunfähig machen. Leider fallen solche Passagen eher fad aus und erfordern nur das richtige Bewegen unseres Steuerknüppels. Damit wirken Griffe in den rasanten Kämpfen eher träge und stimmungsbrechend. Dafür macht UFC 3 optisch einiges richtig. Ohne viel Wert auf hyperrealistische Grafik zu setzen bewegen sich die Kontrahenten im Achteck – meistens – recht realistisch, egal ob sie gerade zu einem wuchtigen Schlag ausholen oder sich von einem fiesen Treffer erholen. Am Ende ist es unglaublich befriedigend, wenn man den genau richtig abgepassten Moment nutzt und der Gegner wie ein nasser Sack zu Boden geht, während man selbst, blutverschmiert und deutlich mitgenommen, noch steht. Sieg durch K.O.!
Microtransactions incoming
Trotz einiger kleinerer Fehler kann man mit der deutschen Synchronisation recht zufrieden sein. Die beiden Kommentatoren der Kämpfe geben meistens gute, passende Ansagen für den stattfinden Kampf ab, auch wenn sich trotzdem der gelegentliche Schnitzer einschleicht. Beispielsweise, wenn man sagt, dass unser Avatar für seine brachialen Kicks bekannt ist, während wir in den letzten paar Kämpfen fast komplett auf Tritte verzichtet haben. Oder wenn man vor einem Mittelgewichtskampf der Herren trotzdem die ganze Zeit von Kämpferinnen spricht. Trotzdem tragen die Kommentare deutlich zur Atmosphäre bei. Die Social Media-Beiträge, die im Karriere-Modus gezeigt werden, hätten allerdings etwas mehr Vielfalt verdient. Und benutzen Leute wirklich den Hashtag „nicenstein“? Musikalisch bietet UFC 3 eine große Auswahl an Songs, die auch MMA-fremde Spieler auf die Kämpfe einstimmen. Wer keine Lust auf die KI-Gegner des Karrieremodus hat kann relativ schnell andere Spieler online finden und entweder in zwanglosen Matches oder Rangkämpfen gegeneinander antreten. Außerdem gibt es noch den Ultimate Team Modus. Hier basteln wir uns unser eigenes, vierköpfiges Traumkämpferteam mit Karten, die wir aus Boosterpacks bekommen. Boosterpacks, die wir entweder mit erspielter Währung oder für Echtgeld kaufen. Microtransactions in einem EA-Spiel? Schockierend. Sind wir dann mit unserem Kader zufrieden, geht es gegen andere Spieler oder deren KI-gesteuertes Team in den Ring.

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