Erinnerungen

Normalerweise sind Bahnfahrten öde, egal wie sehr uns Bahnunternehmen in ihren Werbungen vom Gegenteil überzeugen wollen. Dass beim Reisen auf Schienen doch einiges passieren kann, bemerken wir in Blackwood Crossing von Entwickler PaperSeven. Alle einsteigen, nächster Halt: Erinnerungen!
Maskenball auf Schienen
Als wir aufwachen, rattern vor dem Abteilfenster grüne Landschaften vorbei. Woher kommen wir, wohin wollen wir, im Moment spielt das keine Rolle. Was eine Rolle spielt, ist unser kleiner Bruder Finn, der irgendwo im Wagon nach uns, Scarlett, ruft und um Hilfe bittet. Wir tapsen also los, vorbei an menschenleeren Zugabteilen, immer dem Rufen unseres Bruders nach. Nur um am Ende festzustellen, dass er gar nicht in so großer Gefahr war, wie er uns glauben machen wollte. Er will einfach was erleben! Ein Abenteuer! Also stürmt er auch schon los! Und wir gehen hinterher. Als wir dann endlich auf andere Menschen treffen, stellen wir rasch fest, dass es nur Erinnerungen sind. Unsere Eltern. Unsere Großeltern. Die Grundschullehrerin, ein Junge aus der Klasse unseres Bruders, Scarletts Freund. Und alle tragen Masken, wirken verwirrt und verirrt. Natürlich machen wir uns daran, Ordnung in das Erinnerungschaos zu bringen. Dabei steigen wir immer tiefer in die Vergangenheit, fragen uns, ob wir wirklich Zug fahren, entdecken Finnland (nicht das in Europa, sondern Finns Land) und versuchen herauszufinden, was der Junge mit dem Hasenkopf mit all dem zu tun hat. Schlendern, sammeln, lösen
Blackwood Crossing ist ein Puzzlespiel. Wir sammeln Gegenstände, um die Situationen, in der wir uns befinden, zu lösen, sprechen in der richtigen Reihenfolge mit Personen aus unseren Erinnerungen, um sie zu sortieren und hantieren mit Feuer, Lebenskraft und schwarzer Pampe, um kleine Rätsel zu lösen und uns einen Weg zu bahnen. Keines dieser Rätsel ist wirklich aufwendig, selbst die schwersten Herausforderungen sind mit etwas Kopfarbeit schnell erledigt. Wird das Areal mal etwas weitläufiger, schlaucht es etwas, dass Scarlett wirklich nur gehen kann. Wir schlendern also durch die bunte Spielwelt, immer auf der Suche nach dem, was Finn für uns bereithält. Aufwendig wird das Gameplay nicht. Rätsel wiederholen sich oder kehren in nur geringfügig verändertem Gewand wieder. Zuweilen merkt man dabei auch, dass Blackwood Crossing vor allem auf die Konsole ausgelegt ist. Während wir es auf dem PC getestet haben, wirkte die Steuerung mit Maus und Tastatur zwar etwas hakelig, aber nicht in dem Maß, dass es stört. Schwerpunkt: Story
Blackwood Crossings Stärke ist seine Atmosphäre. Während wir durch die Erinnerungswelten des Geschwisterpaares wandern, werden wir von einem stimmigen Soundtrack begleitet, der das Feeling der jeweiligen Situation gut einfängt. Blackwood Crossing besticht mit charmanten Charakteren und gefühlvollen Szenen, die durch ihre Musik und das Spiel mit dem Licht einerseits friedlich und verspielt wirken können, plötzlich aber düster und unheimlich werden. Und das ist auch schon der Schwerpunkt des Ganzen. Wir spielen eine lineare Story, hangeln uns von Szene zu Szene, von Rätsel zu Rätsel und obwohl das Ende etwas vorauszusehen ist, erleben wir eher eine gute Geschichte, als dass wir aufwendiges, abwechslungsreiches Gameplay haben. Wirkliche alternative Entscheidungen treffen wir nicht, können höchstens ab und an Scarletts Reaktion bestimmen. Der Spieler ist in Blackwood Crossing mehr ein Zuhörer der die Geschichte voranbringt. Eine deutsche Synchronisation gibt es nicht, die Untertitel sind jedoch ausreichend, um die Erinnerungsrätsel zu lösen. Und auch in Sachen Spielzeit schwächelt es etwas. Nicht einmal zwei Stunden haben wir gebraucht um die Credits zu erreichen – und da ist die Zeit, die ich brauchte um mir ein Eis zu holen, miteingerechnet.

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